DNA – Genetik für Anfänger

Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Gene.

Wer verstehen möchte, was Epigenetik bedeutet, sollte vorab eine Idee davon haben, was Genetik eigentlich ist. Gene entscheiden, wie wir aussehen, welche Fähigkeiten wir haben und welche Krankheitsrisiken wir tragen. Drei Milliarden Buchstaben lang ist die DNA eines Menschen – und zwar jeweils in jeder Zelle! – , geschrieben aus einem Gewirr aus den Buchstaben A, T, G und C. Dahinter steckt der Name der Basen: Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin. Seit 2003 ist die Buchstabenfolge entschlüsselt – doch das Verständnis des Zusammenspiels der verschiedenen Genfunktionen bleibt rudimentär. Das Genom des Menschen, also die Summer aller 20.000 Gene, erklärt nämlich noch nicht, warum der eine dement wird und der andere labil auf Stress reagiert. Oder warum zwei Menschen zwar das gleiche Krebs-Gen haben, aber nur einer von ihnen auch an Krebs erkrankt. Oder warum eineiige Zwillinge mit derselben DNA nicht zu 100 Prozent gleich aussehen. Fest steht: In der Genomfunktion kommt es zu erblichen Veränderungen, ohne dass eine Abweichung in der DNA auftritt. Die Frage ist: Was ist programmiert, was von der Umwelt beeinflusst? Hier kommt jetzt die Epigenetik, das Bindeglied zwischen Umwelteinflüssen und Genen, ins Spiel.

Epigenetik: was es ist (und was es nicht ist)

Eines vorweg: Eines vorweg: Epigenetik ist eigentlich nichts Neues. Immerhin hat schon Aristoteles von „Epigenes“ gesprochen (meinte damit allerdings die Entwicklung individueller organischer Formen aus formloser Substanz). Neu ist das wissenschaftliche Forschungsgebiet Epigenetik und die daraus gewonnenen Erkenntnisse, die alte Vererbungslehren über den Haufen zu werfen scheinen.
Der Begriff ist zusammengesetzt aus den Wörtern Genetik und Epigenese, also der Entwicklung eines Lebewesens. Die Wissenschaft der Epigenetik erforscht jene (Umwelt-)Faktoren, welche die Aktivität der Gene regulieren und deren Funktion individuell regulieren. Dabei entstehen keine Mutationen, das heißt: Die Gensequenz (also der Kern, die DNA, genauer: die Reihenfolge der Basen A, T, C und G im Zellkern) wird nicht verändert. Warum ist das nötig? Der Mensch braucht eine flexible Anpassung an die Anforderungen des Lebens. So dient die unterschiedliche Genaktivität unter anderem der zeitlich flexiblen Steuerung des Stoffwechsels und des Immunsystems oder der Balancierung von Hormonen. Auch die Rhythmen des Lebens sind über die epigenetische Modifikation verankert.

Je nachdem, wo und wie diese Veränderungen in unserem Genom vorliegen, zeigen sich unsere persönlichen gesundheitlichen Herausforderungen (zum Beispiel auch Hautkrankheiten). Können wir aber die Epigenetik unserer Zellen wirklich beeinflussen? Und wenn ja, können wir „schlechte Veränderungen“ in unserem Genom harmonisieren? Und was kann die Kosmetik dazu beitragen?